Lineare Fehlerkompensation bei der SINO SDS6 – Schritt-für-Schritt Anleitung
Die lineare Fehlerkompensation der SINO SDS6 Positionsanzeige ermöglicht es, systematische Messabweichungen Ihres Glasmaßstabes präzise zu korrigieren.
Mit der richtigen Vorgehensweise verbessern Sie die absolute Maßhaltigkeit Ihrer Drehmaschine oder Fräsmaschine messbar – über den gesamten Verfahrweg.
Nachfolgend finden Sie die praxisbewährte Schritt-für-Schritt Anleitung zur korrekten Einstellung.
Schritt 1: Referenzmessung durchführen
Bevor eine Fehlerkompensation eingestellt wird, muss eine präzise Referenzmessung erfolgen.
Geeignet sind:
- zertifiziertes Prüfnormal
- Endmaß
- kalibrierter Messstab
- Laserinterferometer (im industriellen Umfeld)
Wichtig:
Die Messung sollte über eine möglichst große Strecke erfolgen (z. B. 500 mm oder 1000 mm), um systematische Abweichungen zuverlässig zu erkennen.
Notieren Sie:
L = tatsächliche Referenzlänge
L′ = angezeigter Wert auf der SDS6
Schritt 2: Korrekturfaktor berechnen (mm/m)
Die Berechnung erfolgt nach folgender Formel:
S = (L − L′) / (L / 1000)
Beispiel:
Reale Länge: 1000,000 mm
Anzeige: 999,980 mm
S = 0,020 mm/m
Interpretation:
Positiver Wert → Anzeige zeigt zu klein
Negativer Wert → Anzeige zeigt zu groß
Der einstellbare Bereich der SINO SDS6 beträgt:
–1,500 mm/m bis +1,500 mm/m
Schritt 3: In das Kompensationsmenü wechseln
- Anzeige im Normalmodus (ALE)
- Gewünschte Achse auswählen (X, Y oder Z)
- Taste für Kompensation (COMPEN) drücken
Im Display erscheint der aktuell gespeicherte Korrekturfaktor.
Schritt 4: Neuen Korrekturfaktor eingeben
- Berechneten Wert eingeben
- Vorzeichen beachten (+ oder –)
- Mit ENTER bestätigen
Die Anzeige kehrt automatisch in den normalen Betriebsmodus zurück.
Die Kompensation wirkt sofort auf alle Positionswerte der gewählten Achse.
Schritt 5: Kontrolle der Korrektur
Nach der Eingabe sollte die Referenzmessung erneut durchgeführt werden.
Prüfen Sie:
- Anzeige entspricht nun dem Referenzmaß
- Abweichung wurde proportional reduziert
- Wiederholgenauigkeit ist gegeben
Bei korrekt berechnetem Faktor sollte die systematische Abweichung deutlich minimiert sein.
Wann ist lineare Fehlerkompensation sinnvoll?
Die lineare Fehlerkompensation eignet sich besonders, wenn:
- die Abweichung über den gesamten Messweg gleichmäßig verläuft
- das Prüfprotokoll eine nahezu lineare Kennlinie zeigt
- keine lokalen Spitzenfehler auftreten
Bei komplexeren Fehlerverläufen kann alternativ eine segmentierte Kompensation eingesetzt werden.
Bedeutung des Prüfprotokolls
Das dem Glasmaßstab beiliegende Prüfprotokoll dokumentiert:
- maximale positive und negative Abweichung
- Verlauf der Kennlinie
- mittlere Genauigkeit
- Auflösung (typisch 1 µm, optional 0,5 µm)
Dieses Dokument ist Grundlage für eine technisch saubere Einstellung der Fehlerkompensation und sollte dauerhaft archiviert werden.
Typische Fehler vermeiden
- Zu kurze Messstrecke verwenden
- Vorzeichen falsch eingeben
- Kompensation mehrfach ohne erneute Referenzmessung verändern
- Temperaturunterschiede bei Referenzmessung ignorieren
Eine saubere Berechnung und ruhige, reproduzierbare Messbedingungen sind entscheidend.
Die lineare Fehlerkompensation der SINO SDS6 ist ein wirkungsvolles Werkzeug zur Optimierung der Messgenauigkeit Ihrer Werkzeugmaschine.
Mit korrekter Referenzmessung, präziser Berechnung des Korrekturfaktors und fachgerechter Eingabe erreichen Sie eine reproduzierbare Maßhaltigkeit im µm-Bereich – über den gesamten Verfahrweg.